Eiweißbedarf in den Wechseljahren: Warum Frauen 40+ mehr brauchen

Frauen in den Wechseljahren benötigen mehr Eiweiß als jüngere Erwachsene – die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene ab 65 Jahren einen Schätzwert von 1,0 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich, gegenüber 0,8 Gramm bei jüngeren Erwachsenen. Grund ist der sinkende Östrogenspiegel, der den Muskelaufbau und -erhalt erschwert. Wer in den Wechseljahren gezielt mehr Eiweiß isst und dazu Krafttraining macht, kann diesem Prozess entgegenwirken.

Frau bereitet in der Küche eine eiweißreiche Mahlzeit zu
Foto: Mikhail Nilov / Pexels

Warum sich der Eiweißbedarf in den Wechseljahren verändert

Östrogen ist nicht nur für den Zyklus wichtig, sondern spielt auch eine Rolle beim Erhalt der Muskulatur. Das Hormon unterstützt die Muskelproteinsynthese – also den Prozess, mit dem der Körper aus Nahrungseiweiß neue Muskelstruktur aufbaut. Sinkt der Östrogenspiegel in der Perimenopause und Menopause, reagiert die Muskulatur weniger empfindlich auf die anabolen Reize aus Training und Ernährung. Fachleute sprechen hier von anaboler Resistenz.

Die praktische Konsequenz: Um die gleiche Menge Muskelprotein aufzubauen wie zuvor, braucht der Körper in dieser Lebensphase mehr Eiweiß pro Mahlzeit und pro Tag. Ohne Anpassung der Ernährung und ohne Krafttraining nimmt die Muskelmasse tendenziell schneller ab als in jüngeren Jahren.

Wie viel Eiweiß ist in den Wechseljahren sinnvoll?

DGE-Referenzwert: Für Erwachsene ab 65 Jahren gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung seit 2021 erstmals einen eigenen Schätzwert von 1,0 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag an – zuvor galt für alle Erwachsenen einheitlich 0,8 g/kg (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Protein, 2021).

Für Frauen in der Perimenopause – also vor dem offiziellen Erreichen der Menopause, wenn der Östrogenspiegel bereits schwankt – orientieren sich viele Ernährungsfachkräfte zusätzlich an Studien, die im Kontext von Muskelerhalt und Krafttraining höhere Mengen untersucht haben. Eine im Jahr 2025 im Fachjournal Frontiers in Nutrition veröffentlichte Studie verglich bei 126 Frauen im Alter von 60 bis 75 Jahren mit Sarkopenie eine Proteinzufuhr von 0,8 g/kg mit einer höheren Zufuhr von 1,2 g/kg Körpergewicht pro Tag über 12 Wochen.

Studienergebnis: Die Gruppe mit 1,2 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht zeigte eine stärkere Reduktion der Fettmasse und eine deutlichere Verbesserung der Handgreifkraft als die Gruppe mit der Standardmenge von 0,8 g/kg (Ishaq et al., Frontiers in Nutrition, 2025).

Diese Studie bezieht sich auf ältere Frauen mit bereits diagnostizierter Sarkopenie und lässt sich nicht eins zu eins auf alle Frauen in den Wechseljahren übertragen. Sie zeigt aber, in welche Richtung die Forschung tendiert: Eine Proteinzufuhr oberhalb des DGE-Mindestwerts scheint für den Muskelerhalt in dieser Lebensphase günstig zu sein, sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen.

Eiweißquellen im Alltag sinnvoll verteilen

Statt die gesamte Tagesmenge auf eine Mahlzeit zu konzentrieren, ist es günstiger, Eiweiß über den Tag zu verteilen, da der Körper pro Mahlzeit nur eine begrenzte Menge für die Muskelproteinsynthese nutzen kann. Gute Quellen sind:

  • Tierische Quellen: Eier, Geflügel, Fisch, Milchprodukte wie Quark und Skyr – liefern alle essenziellen Aminosäuren in günstigem Verhältnis
  • Pflanzliche Quellen: Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh, Nüsse und Vollkornprodukte – oft kombiniert für ein vollständiges Aminosäureprofil
  • Praktische Ergänzungen: Proteinreiche Snacks wie Naturjoghurt mit Nüssen, wenn drei Hauptmahlzeiten die Zielmenge nicht abdecken

Ein einfacher Richtwert für den Alltag: Etwa 20 bis 30 Gramm Eiweiß pro Hauptmahlzeit gelten als günstig, um die Muskelproteinsynthese wiederholt anzuregen. Das entspricht zum Beispiel zwei bis drei Eiern, einer Portion Quark oder etwa 100 bis 120 Gramm Fisch oder Geflügel.

Nahaufnahme eines eiweißreichen Gerichts mit Huhn und Brokkoli
Foto: Pixabay / Pexels

Warum Ernährung allein nicht reicht: die Rolle von Krafttraining

Eiweiß liefert den Baustoff, aber erst mechanische Belastung durch Krafttraining setzt den eigentlichen Reiz für Muskelaufbau und -erhalt. Ohne Trainingsreiz wird überschüssiges Protein nicht in Muskelmasse umgewandelt, sondern anderweitig verstoffwechselt. Die Kombination aus ausreichender Proteinzufuhr und regelmäßigem, progressivem Krafttraining gilt daher als wirksamster Ansatz, um dem beschleunigten Muskelabbau in den Wechseljahren entgegenzuwirken.

Für den Trainingsaufbau bedeutet das in der Praxis: Grundlegende Übungen für die großen Muskelgruppen – Beine, Rücken, Brust, Schultern – zwei- bis dreimal pro Woche, mit ausreichend Intensität, um einen Wachstumsreiz zu setzen, und einer an das Training angepassten Proteinzufuhr rund um die Trainingseinheiten.

Wann du vorher ärztlichen Rat einholen solltest

Eine erhöhte Proteinzufuhr ist für die meisten gesunden Erwachsenen unbedenklich. Bei bestimmten Vorerkrankungen ist jedoch Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin sinnvoll, bevor du deine Eiweißzufuhr deutlich steigerst:

  • Nierenerkrankungen: Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann eine Anpassung der Proteinmenge erfordern
  • Bestehende Stoffwechselerkrankungen: Etwa Gicht oder bestimmte Fettstoffwechselstörungen sollten ärztlich berücksichtigt werden
  • Medikamenteneinnahme: Manche Medikamente können mit einer stark veränderten Ernährung interagieren
  • Neu auftretende Beschwerden: Ungeklärte Symptome wie starke Gelenkschmerzen oder plötzlicher Kraftverlust gehören grundsätzlich ärztlich abgeklärt, bevor mit einem neuen Trainings- oder Ernährungsprogramm begonnen wird

Das Deutsche Ärzteblatt weist in seinem Fachbeitrag zur Diagnostik und Therapie der Sarkopenie darauf hin, dass eine fundierte Diagnostik – etwa über die Messung der Muskelmasse und Muskelkraft – die Grundlage für eine sinnvolle Therapieentscheidung bildet. Wer unsicher ist, ob hinter Muskelverlust oder Kraftverlust mehr als der normale Alterungsprozess steckt, sollte das ärztlich abklären lassen, bevor die Ernährung oder das Training grundlegend umgestellt wird.

Ältere Frau trainiert mit Kurzhanteln in einem hellen Raum
Foto: Patricia Bozan / Pexels

Häufige Fragen zu Eiweiß in den Wechseljahren

Reicht eine normale Ernährung nicht aus, um genug Eiweiß aufzunehmen?
Bei einer sehr proteinarmen Ernährung – etwa mit wenig Fleisch, Fisch, Milchprodukten oder Hülsenfrüchten – wird der erhöhte Bedarf oft nicht gedeckt. Ein bewusster Blick auf die tägliche Eiweißzufuhr lohnt sich in dieser Lebensphase besonders.

Macht viel Eiweiß automatisch mehr Muskeln?
Nein. Eiweiß liefert nur den Baustoff. Ohne Trainingsreiz durch Krafttraining wird überschüssiges Protein nicht in zusätzliche Muskelmasse umgewandelt.

Sind Proteinpulver oder Nahrungsergänzungsmittel notwendig?
Notwendig sind sie in der Regel nicht – der erhöhte Bedarf lässt sich meist über die normale Ernährung decken. Sie können aber eine praktische Ergänzung sein, wenn drei Hauptmahlzeiten die Zielmenge nicht erreichen.

Ab wann sollte ich meine Proteinzufuhr anpassen?
Da die Perimenopause bereits vor dem Ausbleiben der Regelblutung beginnt und der Östrogenspiegel schon dann schwankt, ist es sinnvoll, die Ernährung nicht erst nach der letzten Periode, sondern bereits mit den ersten Anzeichen der Wechseljahre anzupassen.

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Quellen

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